Sommerfahrt 2016

© Copyright. Finger weg von den Bildern

Durch Helm`s Klamm zu Mittelpunkt der Welt

Sommerfahrt 2016 in die Julische Alpen

 

Wieder eröffnet sich diese verlockende Ungewissheit welch Abenteuer die Fahrt für uns bereithalten würde.

Abenteuerlich ist, wie immer, die Anreise mit dem Schienendrachen in das Fahrtengebiet, was so häufig dazu führt, dass die Fahrtengruppe eine ganze Weile später beieinander ist als geplant.

Hinter einem Busch auf einer Wiese am Ende der Stadt rollen wir die Schlaftüten aus und lassen den ersten Fahrtenmorgen auf uns zukommen.

Hitze und staubige Straßen tragen uns in ein grau-grünes, rauhes, aber vertrautes felsenreich.

Drei Dänen rücken im Biwak für uns zusammen und so ist die Nacht kuscheliger als die davor.

Klein, heimlich und unentdeckt zündelt unsere Flamme das dürre Holz für unseren Fahrtenpamps

Unser folgender Aufstieg führt uns durch das tiefe Tal von Helms Klamm, an einem versteinerten Smaug im tiefen Schlummer vorbei in luftige Höhen, bis wir über den Wolken den Mittelpunkt der Welt glauben erreicht zu haben. Hier können wir wahrlich nach den Sternen greifen, aus dem Vollen schöpfen, die Haare im Wind zerzausen lassen und unsere Lieder im Echo der Berge widerhallen lassen.

Jeder Tag hält für uns etwas Neues bereit. in einer Hütte auf zweieinhalb tausend Meter über dem Meer treffen wir anderes fahrendes volk. Einige sind dem Saitenspiel und heimischen Melodien ihres Landes ebenso angetan wie wir und so verbringen wir schöne letzte Stunden des Tages gemeinsam in der Stube während draußen Steinböcke ihre Abendrunde drehen.

Eine nicht enden wollende Blütenpracht begleitet uns am Wegesrand. Klare Wasser im Tal der sieben Seen füllte unsere Flaschen.

An einem Abend geniessen wir den Sonnenuntergang im Kessel einer Felsenkette auf der Terrasse einer alten Ruine. kühler Hopfensaft und Aussicht auf weite Weide versüssen uns das Singen bis das Wetter umschlägt.

Nur ein Drachenflügel aus schwarzem Baumwollstoff kann uns in der Nacht Schutz vor dem tosenden Donnergrollen, dem Riesen, der Blitze nach uns schmeißt und den sabbernden Widerkäuern, die unsere Brote wittern, beschützen. Unter prasselndem regen lauschen wir Geschichten im Kerzenschein bis in den Morgen.

Schließlich führen uns die Pfade durch die Bärenwechsel, wie wir später erfahren. wieder hinunter in der Ebene treffen wir auf riesige Badesseen und Blechfahrzeuge, die uns schnell voran kommen lassen.

Weißer Wein und jiddische Lieder teilen wir mit anderen Reisenden, die sich vor einem weiteren Schauer unterstellen.

Die letzten Nächte brechen an. Auf Wiesen an Heuraufen verbringen wir die letzten Abende.

Ein sympathisches Fleckchen Erde mit einem guten Maß an Wildheit und Schönheit lernten wir kennen.

Und während der Regen an das Zugfester prasselt wird uns bewusst, dass unsere Schritte im Staub der berge vergehen, in uns aber Spuren hinterlassen.

 

Hanna & Anneh

 

 

 

Sternengreifer Wandervogel